PERLEN

So hatten wir uns das vorgestellt. Leises Plätschern, eine angenehme Frische, und den salzigen Geschmack feuchten Seetang auf der Zunge. Ein perfektes Bild – eine schimmernde Atmosphäre in milden Farben, in der man behutsam Perlen aus ihren triefenden Behausungen befreit.

Der weitere Text führt uns durch eine Perlenfarm, wo feine Lichtfächer die Luft durchschneiden und sich über dickbäuchige Tahitiperlen schmiegen, manche geheimnisvoll anthrazitfarben, andere bezaubernd goldgrün getönt. Nochmal andere einfach nur duftig zart, und in unschuldigstem Weiß – und offenbar fest entschlossen, die Grenze zwischen Wahrnehmung und Realität aufzuheben.

Platin mit Tahitiperle
Halsschmuck mit Perltropfen

„Allerdings wollen auch alle erst einmal geerntet sein!“

Die beste Zeit dafür sind die dortigen trockenen Wintermonate. Dann ruht ihre Perlmutt-Bildung, und es zeigt sich ein ganz besonders schöner Lüster. Etwas, das ihren Wert erheblich mitbestimmt. Dennoch überzeugt nur höchstens jede zehnte mit Note „mindestens gut“. Entsprechend überschaubar die Regale mit „feineren“ Qualitäten.

Wir spielen hier also nicht mit Imitationen, die dem außen stehenden Publikum irgendwas Zauberhaftes vorgaukeln sollen. In diesen Hallen befinden sich ausnahmslos wertvolle Zuchtperlen – Naturprodukte, die nur deshalb wachsen konnten, weil geschickte Hände ihnen die Chance dazu eröffneten.

Dekorativer Hochzeitsschmuck

Das brauchte jedoch Zeit … viel Zeit! Je nach Größe zwischen 3 und 4 Jahre. Das Prinzip ist einfach: Ins Bindegewebe des Austernmantels wird ein kleines, mit Epithel umwickeltes Perlmuttkügelchen „eingepflanzt“. Danach überlässt man sie wieder sich selbst – und die Natur vollbringt ihre Wunder.

Geheimnisvoll wirkt auch das Festlegen ihres Wertes. Vor allem das vermehrfachen anhand einer ominösen Malzahl verwirrt. Wir erfahren, dass ihr Code aus Ziffern Rückschlüsse auf Lüster und Farbe ebenso zulässt wie auf Größe, Reinheit und Form.

Vollkommen runde sind selten. (Spezialität von imitierten!) Parallel bringt die Natur jedoch auch sehr attraktiv geformte Barockperlen hervor – was jede einzelne zum Unikat werden lässt!

Das sich überall über die Sortiertische beugende, weiche Licht hilft auch beim Erkennen ihrer wahren Farbe. Geheimste Schattierungen werden dann ebenso sichtbar, wie feinste Ober– und Übertöne. Zartes Flieder, silbriges Weiß, sonniges Apricot, grünliches Anthrazit, sanftes Creme, mystisches Schwarz, …

Die Fantasie beflügeln auch ihre speziellen Bezeichnungen und Herkünfte. So entstehen bei dem einen oder anderen gerne mal leuchtende Bilder von weit entfernt rauschenden Meeren, wo in grobmaschigen Körben beispielsweise verführerische Akoya-Perlen nach klassischen japanischen Rezepten wachsen.

Oder es entstehen Visionen von schneeweißen Südsee-Zuchtperlen, wie sie im weiten tropischen Pazifik reifen. Ungeachtet ihrer Seltenheit messen manche beachtliche 10 bis 20 mm, was sie natürlich besonders wertvoll macht. Trotz ihrer schönen dunklen Farbe sind da die Tahiti-Zuchtperlen aus Französisch Polynesien deutlich erschwinglicher.

Kommen welche allerdings aus China, erhöht das die Chance, dass es sich um Süßwasser-Zuchtperlen mit dünnerer Perlmuttschicht und damit die günstigsten handelt.

Ring mit Tahitiperle
Dekorativer Halsschmuck mit Perle

Doch zurück. Dass durch diesen zauberhaften Perlendschungel der sanfte Wind der Verführung weht, ist also sicher. Trotzdem, wie sagte Oskar Wild noch mal so schön? „Versuchungen sollte man nachgeben, wer weiß, ob sie wiederkommen!“

Tahitiperle an Silber
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